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DRESDEN/PRAG. Am Sonnabend, den 25. Juli, fand der mittlerweile 10. Sächsisch-Böhmische Kulturtag statt. Ziel dieses Tages waren neben dem gemeinsamen Erlebnis vor allem der kulturelle Austausch zwischen den verschiedenen nationalistischen Organisationen, die Vertiefung der bestehenden Kontakte und die Verbesserung der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Diesmal führte der Ausflug die gut 40 Aktivisten von JN, deren langjährigen Partnerorganisation Dělnická mládež (Arbeiterjugend), sowie der jungen böhmischen Gruppe Mladí nacionalisté (Junge Nationalisten) an einen Abschnitt des auch unter dem Namen „Schöberlinie“ bekannten Tschechoslowakischen Walls bei Windisch Kamnitz (heute Srbská Kamenice) im Sudetenland.

Windisch Kamnitz, malerisch im Tal der Kamnitz gelegen und historischen Quellen zufolge bis zum Ende der Vertreibung im Jahr 1946 fast ausschließlich von Deutschen besiedelt, geht nach alter Überlieferung auf eine kleine wendische Siedlung um das Jahr 1015 zurück. Das heutige Dorf entstand um das Jahr 1300 durch die Besiedlung deutscher Kolonisten. Neben der sehenswerten, zwischen 1772 und 1776 erbauten Kirche des Heiligen Wenzel existiert in Windisch Kamnitz auch ein Museum der Befestigungsanlagen des Tschechoslowakischen Walls.

Schwerpunkt der damals als eines der besten Festungsbausysteme des 20. Jahrhunderts geltenden Verteidigungsanlagen war der Norden des Landes. Von den ursprünglich entlang der Grenzen zu Polen, Österreich, Ungarn und dem Deutschen Reich geplanten 16.000 Befestigungsobjekten waren bis zum September 1938 lediglich 229 vollständig errichtet und ausgerüstet. Die Arbeiten wurden im März 1939 komplett eingestellt. Der sich bei Windisch Kamnitz befindliche, in zwei Linien verlaufende Abschnitt umfasst 50 Bunkeranlagen. Einige wurden von Angehörigen eines Militärvereines wieder restauriert und für Besucher zugänglich gemacht. So auch ein Objekt vom „Typ A 140“, vorgesehen für eine siebenköpfige Besatzung, den die Teilnehmer des Kulturtages besichtigten und sich aufmerksam die technischen Details, wie etwa die Stärke der Betonwände, Bauzeit oder Ausstattung erklären ließen. Besonders eindrucksvoll waren dabei die erhaltenen MGs und verschiedene Ausrüstungsgegenstände.

Neben der Erkundung weiterer Verteidigungsanlagen begeisterten bei der etwa 8 Kilometer langen Wanderung entlang der Schöberlinie vor allem die Erhabenheit der Natur und das Beobachten verschiedener Wildtiere. In den Orten Schemmel und Windisch Kamnitz zeugten zudem gut gepflegte Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges von der Geschichte der Deutschen im Sudetenland.

So fügte sich auch das gemeinsame Bekenntnis für sichere Grenzen, selbstbestimmte Nationen und die Verteidigung Europas in den Verlauf des Tages ein, das ganz bewusst hier, in diesem ehemaligen militärischen Sperrgürtel seinen Ausdruck fand. Es legt Zeugnis von der beiderseitigen Überzeugung ab, dass neue Annäherungen und Verbindungen nicht auf der Grundlage historischer Konflikte erwachsen können und nur der Respekt gegenüber den Opfern unserer europäischen Brüder und Schwestern uns in die Lage versetzt, Recht und Gerechtigkeit auch für unsere eigenen Opfer einzufordern.

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